Tête-à-tête übern GartenzaunInspirierende Nachbarn: Grenzüberschreitende Lesung des "Literarischen Quadrats Saar" Saarbrücken. "Wenn sich das Dolly was in de Kopp gesetzt hat, da helft nix mee." Waltraud Schiffels von der Volkshochschule Saarbrücken erklärt sinnfällig und auf Saarländisch, wie es zur Kontaktaufnahme des "Literarischen Quadrates Saar" mit dem "Jardin des Poètes" aus La Petite Pierre kam. Auf einer Reise in den idyllischen elsässischen Ort entdeckte Dolly Hüther, Gründungsmit-glied des LQS, Hinweise auf diese Autorengruppe und setzte sich sofort mit deren Präsidentin, Iris Gutfried, in Verbindung. Gleiches literarisches Engagement machte das Näherkommen einfach. Nun traf man sich zum ersten Mal grenzüberschreitend in der Volkshochschule. Immer schon war es ein Anliegen des vor drei Jahren gegründet LQS auch über die saarländischen Grenzen hinaus Kontakte zu verschiedenen Schreibgrup-pen zu knüpfen, was nun mit den Leuten vom "Poetengarten" gelungen ist. Ein durchaus realer Garten, wie Gutfried erklärt. Der Wunsch, Tafeln mit Poesie auch in der freien Natur aufzustellen, führte irgendwann dazu, dass man den Literaten einen Garten übereignete, um den sie sich kümmern konnten. Und von da ab waren die Leute der Schriftsteller-vereinigung um Gutfried nicht mehr nur um die Poesie, sondern auch um die Ökologie bemüht und hatten ihren Namen: "Le Jardin des Poètes". Beim Treffen nun trägt man sich gegenseitig Geschichten und Gedichte vor, und das sprachlich vielfältig auf Elsässisch, Saarländisch, Deutsch und Französisch. Gaby Badstübner liefert unter anderem eine neue Version von La Fontaines "Wolf und Lamm" in ironischen Versen, Rosemarie Groß-Thelen trägt sanfte Poesie über die Elemente vor und Roland Euler dichtet eindrucksvoll und auf Elsässich über die Menschlichkeit und die Kriegs-Traumata eines Blechschmieds. Erdig, grob und pur klingt das, eine gut gewürzte Sprache. Sogar Märchen bekommen wir zu hören. Christine Fischbach erzählt auf Elsässich, an das wir uns flugs gewöhnt haben, vom Grafen, der einem plauderhaften Bäcker zürnt. Als Nebeneffekt wissen wir nun, wie die Brezel entstanden ist. Fischbach hat auch gleich ein besonders großes Brezel-Exemplar mitgebracht. Ein Nachmittag mit regem literarischen Austausch, den Schiffels symbolisch so umreißt: "Ma treffen uns im Garten und schwätze ibber de Zaun." Resümee einer inspirativen Nachbarschaftsbeziehung, der man eine produktive Zukunft wünscht. RUTH ROUSSELANGE Quelle: Saarbrücker Zeitung vom 06. Mai 2003 |